„Ich brauch jetzt Whiskey-Cola“ – Der Spielbericht aus meinem Kopf

Sonntag. 11 Uhr. Wer setzt denn bitte ein Ü40-Spiel auf 11 Uhr? Ich habe Spieler, die um diese Uhrzeit normalerweise ihre Gelenke sortieren, nicht Gegner. Aber gut — wir sind ja vom TSV Rudow. Legends. Wir können alles. Wir finden sogar den Eingang zur eingezäunten Halle.

Vor dem Spiel – Taktik versus Realität

Ich sage in der Kabine: „Männer, Tempo, stabile Abwehr, Bewegung, zweite Welle!“ Die leeren Blicke sind vermutlich reine Konzentration und Fokus auf den Gegner. Ich wusste spätestens jetzt: Das wird mental anspruchsvoll.

Anwurf – Und sofort Puls. 1:0 für uns durch Hauthal. Ich denke: „Läuft.“ 1:1. Ich denke: „Okay.“ 2:3, 2:4, 2:5 … Ich denke: „LÄUFT! Alles meine Taktik.“ Neben mir sagt einer: „Coach, wir führen.“ Ich sage: „Ich weiß — aber ich kenne uns.“ Und ja, meine knallharte Analyse trifft zu.

Wir legen vor, Buckow kommt ran, wir legen nach. Handballerisch gut. Konditionell… nennen wir es „ökonomisch“. Ich rufe: „Zurück in die Abwehr!“ Drei laufen. Zwei traben. Einer diskutiert mit dem Schiri. Spoiler: Er wird das Spiel letztendlich nicht auf dem Feld beenden.

Zur Pause 12:9 für uns.

Ich sage in der Kabine: „Männer, wir müssen konzentriert bleiben!“ Antwort: Ja. Läuft. Dann Diskussionen von vielen Coaches.

Zweite Halbzeit – oder mein Nervenzusammenbruch in Raten

Dann der Schock: 12:12. Ich denke: „Super. Führung weg. Puls da.“ Ich male Taktiken aufs Board in meinem Kopf. Pfeile, Kreise, Laufwege. Aber ich kann nicht malen. Dann eben weiter mit der Brechstange.

Plötzlich wirft Tilo alles rein. Links, rechts, Mitte — Ich glaube, einmal hat er auch im Fallen getroffen, während er über seine eigene Hüfte nachgedacht hat. Ich denke: „Gut, dass er bei uns spielt.“ Wenn nicht, hätte ich ihn gedeckt. Mit zwei Mann. Und ’nem Netz.

Siebenmeter für uns. Ich kann nicht hinsehen. Ich studiere plötzlich den Hallenboden. Tor. Ich nicke cool. Innerlich: Feuerwerk. Nächster Siebenmeter. Daneben. Ich nicke wieder cool. Innerlich: Wohnzimmer abgebrannt.

Kurz mal rote Karte zur Kenntnis genommen. Unruhe im Team wieder beruhigt. Hat da einer Mampe gesagt?

Wir führen, aber Buckow bleibt dran. Ich rufe: „Ruhig spielen!“ Sofort Tempogegenstoß. Fehlpass. Ich rufe: „Kein Risiko!“ Da fliegt der 10. lange Pass direkt zum Gegner und nicht zum Mitspieler. Ich rufe irgendwann gar nichts mehr. Ich flüstere nur noch: „Bitte…“

Dann ziehen wir weg. +4, Aldo trifft auf einmal alles. Die lange Pause war wohl gut. Ich rechne im Kopf: Vier Tore Vorsprung… Ü40-Handball… Okay, sicher ist sicher erst bei +9 und zwei Bandscheiben Vorsprung. Aber wir bringen es nach Hause: 28:24 Sieg. Ich setze mich hin. Zum ersten Mal seit Anwurf.

Nach dem Spiel – Trainerleben Ich gehe in die Kabine. Ich will analysieren. Aber das Bier ist schon auf. Prioritäten. Gefallen mir.

Ab sofort Fokus auf die kommenden englischen Wochen. In der Ü40. Warum? Wer macht das? Dabei fällt mir ein: Wo ist eigentlich der Arztkoffer…?

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