Zwölf lange Jahre quälte sich Real Madrid an der sagenumwobenen La Decima ab. Für die Rudower Legends ging es zum Glück etwas flotter – nur sieben Jahre mussten die Könige der Elli-Kuhr-Straße warten, bis sie endlich wieder in den Champions-League-Himmel… äh… Berliner Handball-Olymp aufstiegen. Und passend zu Real Madrid stand am Sonntagabend ein echtes Finale an: Dramapotenzial wie in Lissabon 2014 – nur ohne Ramos-Kopfball und ohne spanische Fernsehkommentatoren, die heiser in ihr Mikro brüllen.
Die Bühne war bereitet – nur ohne Bernabéu.
Die Halle: voll. Die Fans: heiß. Der Schiedsrichter: überraschend redselig für den Altherrenbetrieb – aber gut, jeder hat ja so seine Leidenschaft. Man könnte fast meinen, er wollte sich für „Schiri der Saison“ bewerben.
Der Gegner, der VfL Tegel, reiste als Tabellenzweiter an. Die Rechnung war einfach:
Rudow verliert: Titelrennen bleibt spannend.
Rudow gewinnt: La Decima! – und alles ist durch wie Toni Kroos’ Passquote.
Der Start: Tegel macht den Blitzstart – Rudow macht den Real Madrid.
Tegel begann wie Atlético im CL-Finale – früh drauf, 1:3 vorne. Die Legends hingegen wirkten kurz, als hätten sie den Anpfiff verpasst und warteten noch auf die Champions-League-Hymne.
Doch dann fanden die Rudower ihren Ramos-Moment: Die Abwehr stabilisierte sich, vorne flog der Ball so sauber durch die Reihen, als würde Luka Modrić Regie führen. Und Ritze im Tor? Der fischte Würfe raus wie Thibaut Courtois in seinen besten Tagen.
Nach dem 3:3-Ausgleich ging es los wie in einem königlichen Konter: Über 10:7 hinweg bis zum galáctico Halbzeitstand von 18:11.
Halbzeitansprache à la Carlo Ancelotti.
Coach Thäle schwor seine Männer ein: „Weiter Tempo! Nicht nachlassen! Und bitte nichts anbrennen lassen – wir sind ja nicht Atlético!“
Die Mannschaft verstand die Mission.
Zweite Halbzeit: Von Null auf Zehn – wie Real gegen Juve.
Die Legends drehten weiter auf. 34. Minute: Zehn-Tore-Vorsprung. Die Tegeler wirkten, als spielten sie plötzlich gegen die Schwerkraft. Bälle gingen ans Tor, übers Tor, neben das Tor – eigentlich überall hin, nur nicht in das Tor.
Rudow dagegen brachte frische Beine: Die Flügelzange Brandt/Bierhals sorgte für neue Energie und weitere Treffer – wie ein junges Bale/Di-María-Duo, das keine Lust hat, gemütlich auszuspielen.
Der Vorsprung pendelte sich bei 12 bis 13 Toren ein und stellte irgendwann die Frage: „Ist das noch ein Spiel oder schon eine Meisterfeier mit laufender Uhr?“
Abpfiff: Rudow greift nach den Sternen (oder zumindest nach der 10).
Endstand: 35:23. Ein königliches Ergebnis. Ein Statement. Ein Titel.
Die Rudower Legends holen La Decima – eleganter, humorvoller und deutlich weniger nervenaufreibend als Real Madrid damals. Und anstatt „Hala Madrid!“ schallte „Grün, weiß, rote Invasion!“ durch die Nacht.

