Die Handball-Invasion

 

Über 5000 Handballer, 299 Teams aus elf Nationen, 1619 Spiele, 150 Schiedsrichter, 36 Handball-Felder, 300 Helfer und mittendrin im Ball-fliegenden Getümmel die grün-weiß-rote Invasion aus Berlin. Der TSV Rudow 1888 e.V. nahm gleich mit 16 Jugendteams an den „24. Lübecker Handball-Days“ teil.

186 Rudower Nachwuchs-Stars vom Mini-Mix bis zur A-Jugend (acht Jungs- und acht Mädchen-Teams) machten sich mit ihren Trainern (verteilt auf drei große Reisebusse) nun schon zum dritten Mal in Folge als Großaufgebot auf den Weg nach Lübeck. Im Gepäck ganz viel Hoffnung auf gutes Wetter, tolle Stimmung und spannende Spiele.

Rudows Delegations-Chefin, stellvertretende Abteilungsleiterin beim TSV, Anja Freitag verrät: „Die Atmosphäre dieses Freiluft-Turniers ist einmalig. Angefangen mit der Parade der Mannschaften durch die Stadt, dem Centre-Court auf dem Markt mitten im Weltkulturerbe, der tollen Organisation, inklusive gemeinsamer Übernachtung aller unserer Teams in einer Turnhalle.“

Und die Rudower Handball-Armada legte ein sensationelles Wochenende hin, gleich sechs Teams nahmen am Ende an den Siegerehrungen in der Hansehalle teil, räumten Medaillen, Pokale und Sieger-Pullis ab. Allen voran die wE1, in Lübeck betreut von Olivia Pemp. Die 10-jährigen Ball-Prinzessinnen zogen als Gruppen-Dritte mit zwei Niederlagen in den A-Pokal ein. Doch dann ging die Post ab, die süße Truppe rockte jedes K.o.-Spiel und gewann das Turnier souverän 18:6 gegen Lübeck 1876. Stark!

Olivia Pemp: „Das war ganz großes Kino. Die Mädels hatten das Kämpferherz am richtigen Fleck. Alle haben alles für den Erfolg gegeben. Toll war auch die Unterstützung der wE2, wD2 und wB beim großen Finale in der Hansehalle. Der Sieg war für alle unheimlich schön, weil es so überraschend war.“

Überzeugen konnten auch die jüngsten Handball-Talente aus dem Süden, die drei Mini-Mix-Teams. Und die sorgten mit zwei Siebenmeter-Thrillern für Hochspannung inklusive Fingernägel-Kauen.

Die 6 bis 8-jährigen Jungs (Mini-Mix1) mussten im Spiel um Platz 3 nach einem 4:4 gegen Bad Schwartau ins erste Entscheidungs-Werfen ihrer Karriere. Trainer Tilo Rautenberg (mit leichten Ringen unter den Augen, seine Jungs waren um 5.15 Uhr immer die Ersten die wach waren) erklärt: „Das haben wir dann mit 1:0 gewonnen. Den Jungs hat es viel Spaß gemacht, wir freuen uns schon auf das nächste Jahr. Bronze ist ein toller Erfolg.“

Platz 1, allerdings im B-Pokal, holten Rudows jüngste Mädchen (Mini-Mix3). Auch die Trainer Sabine Fischer, Heiko Stark und Melissa Hartmann mussten schwitzend durch einen Siebenmeter-Krimi. Ihre süß-bezopfte Truppe spielte im Final-Match gegen den Gastgeber MTV Lübeck 1:1. Sabine Fischer: „Unsere Torhüterin Leyla hatte dann bessere Nerven als wir, hielt jeden Ball, unsere Mädchen trafen zweimal. Platz 1 war eingetütet, einfach großartig. Für unsere Mäuse war es die erste Handballfahrt überhaupt und alle haben das große Abenteuer genossen.“

Rasen-Handball im B-Pokal lag auch der mC von Niklas Silbernagel: „Wir hatten einen holprigen Start ins Turnier, aber wie die Jungs dann den Sieg im B-Pokal mit vollem Einsatz erkämpft haben, war toll. Ich bin total stolz. Nicht, weil wir am Ende gesiegt haben, sondern wie sie es gewonnen haben, nämlich als Team.“

Schade, fast hätte der TSV Rudow gleich drei Turniersiege mit nach Berlin gebracht, aber die tapferen Jungs der mE1 (betreut von Gero Steinke) und die mD1 (trainiert von Marius Poschmann) verloren ihre Finals in Lübeck nur ganz knapp.

Gero Steinke: „Die Jungs haben sich mit vollem Tempo und ohne Auswechselspieler souverän durchs ganze Turnier geballert. Tore werfen macht eben mehr Spaß, als Kräfte sparen. So fehlte uns in den letzten sieben Minuten im Finale dann die Power und in der Abwehr der letzte Wille. Klar, flossen danach auch einige Tränen, aber spätestens beim Pizza-Essen genossen die Jungs, was sie für ein tolles Turnier gespielt haben.“

Mini-Mix-Trainer Tilo Rautenberg fieberte diesmal als Papa im Einsatz beim mD1-Finale mit: „In der K.o.-Runde gab’s schon knappe Spiele, bei denen man einfach Herzrasen bekommen musste. Mit Kampfgeist und Wille haben sich die Jungs bis ins Finale geackert. Am Ende fehlte leider ein bisschen die Kraft. Aber Silber ist ein Riesenerfolg für die Truppe von Marius.“

In Lübeck ging‘s dem Verein nicht nur ums Gewinnen, alle Mannschaften nutzten die Fahrt fürs Teambuilding, Kennenlernen, Ausprobieren und Testen. Und erlebten dabei so manche Überraschung.

Bei Tobi Wudtke und Tibor Frommold (mB) wurden die Jungs mit Harz am Ball überrascht. Tobi Wuttke lacht: „Kleber hatten die noch nie zwischen den Fingern, das Spiel ging auch mal gleich 5:13 in die Hose.“ Die wB überraschte nicht mit Harz, dafür aber ihren Trainer Carsten Krüger zum Geburtstag mit Silber-Krönchen. Auch der Coach trug mit Stolz seine „Happy Birthday-Krone“ den ganzen Tag über die Rasenplätze. Carsten Krüger: „Das war eine super Überraschung, sie haben sogar für mich gesunden. Trotz der Enttäuschung über das Ausscheiden fanden alle Mädels die Fahrt super.“

Trainerin Ulrike Krieger (wD1) ist immer noch fasziniert, wie entspannt die Lübecker waren, obwohl 5000 Handballer ihre schöne Stadt so „überfallen“ haben: „Wir hatten nette Shuttle-Busfahrer, die uns nach Hause gebracht haben, obwohl der Weg nicht auf ihrer Route lag und gar keine Haltestelle vorgesehen war. Leute, die Sonntag um 7 Uhr fröhlich aus den Fenstern winkten, obwohl wir darunter lauthals die Rudow-Hymne grölten. Und einen Pizza-Bäcker, der uns in seinem Restaurant einfach mal so 13 große Getränke spendierte.“

Lynn Salzmann, betreute die wD2: „Meine süße Gang ist leider im Achtelfinale gegen den späteren Turnier-Zweiten ausgeschieden, aber die Mädels haben mir als Aushilfstrainerin mit ihrer Spielleidenschaft viele unvergessliche Momente geschenkt. Ich hatte ein tolles Wochenende, das Erinnerungen an meine Jugend geweckt hat. Danke auch an die vielen Eltern, die geholfen haben.“  Wolfram Pemp (wC): „Rundum ein tolles Turnier und Erlebnis für Trainer und Spieler. Schade, sportlich wäre auch bei uns mehr drin gewesen.“

Daniel Schmohl und Marcel Arndt bereuten die wE2: „Schon die Parade war für unsere Mädels ein Erlebnis. Die haben den Handball-Kollegen aus Taiwan gleich geholfen die Fahne zu schwenken. Wir durften auch auf dem Centre Court spielen vor ganz vielen Zuschauern. Diese Erlebnisse nehmen die Mädels als Schwung in die neue Saison mit.“

Georges Anthony (mD2): “Auch wenn wir nur im B-Pokal waren und dort schon im Achtelfinale gescheitert sind. Es war ein großartiges Turnier und die Jungs haben meine Erwartungen übertroffen.“

Viktor Scharfenberg (mA): „Trotz nur vier Spielern haben wir es geschafft ins B-Viertelfinale einzuziehen. Der sportliche Erfolg steht bei den vier aber hinten an. Was mich persönlich als Aushilfstrainer am meisten überrascht hat, war die Zuverlässigkeit und die große Hilfsbereitschaft der Vier.“

Den größten Schock musste in Lübeck die Truppe von Christian Heinekamp (mE2) verdauen. Ihr Sebastian verletzte sich beim vorletzten Spiel bei einem Zusammenprall so schwer, dass er bis Montag in Lübeck im Krankenhaus bleiben musste. Jetzt ist der tapfere, kleine Kerl zurück in Berlin. Anja Freitag: „Die ganze Rudow-Familie ist erleichtert und sagt gute Besserung.“ Christian Heinekamp: „Es war schön zu sehen, dass alle dann für Sebastian spielen wollten. Ein Highlight für meine Jungs, auf der Rückfahrt vom Anfeuern bei den Rudower-Finals legte die wB Helene Fischer auf, die wE1 und 2, die wD2 und alle anderen Rudower sangen ‚ATEMLOS‘ mit.  So muss Vereinsleben sein.“

Organisations-Chefin Anja Freitag: „Nach Lübeck ist vor Lübeck, wir sind 2019 sicher wieder da. Die 25. Auflage der Lübecker Handball Days lassen wir uns nicht entgehen.“

Die Ergebnisse de r16 Rudower Teams:

 

wE1 – Turniersieger (Souveräner Finalsieg 18:6 gegen Lübeck 1876)

mE1 – Platz 2 (Finale knapp verloren gegen Gastgeber MTV Lübeck 10:13)

mD1 – Platz 2 (Finale knapp verloren gegen TuS Lübeck 8:12)

Mini-Mix1 – Platz 3 (Knapper Sieg über Bad Schwartau 5:4)

mC – Platz 1 im B-Pokal (Sieg über SG Adendorf 14:11)

Mini-Mix3 – Platz 1 im B-Pokal (Sieg über Gastgeber MTV Lübeck 3:1)

wB ausgeschieden im Viertelfinale A-Pokal

Mini-Mix2 ausgeschieden im Viertelfinale A-Pokal

wE2 ausgeschieden im Viertelfinale A-Pokal

wC ausgeschieden im Achtelfinale A-Pokal

wD1 ausgeschieden im Achtelfinale A-Pokal

wD2 ausgeschieden im Achtelfinale A-Pokal

mA ausgeschieden im Viertelfinale B-Pokal

mB ausgeschieden im Viertelfinale B-Pokal

mD2 ausgeschieden im Achtelfinale B-Pokal

mE2 ausgeschieden im Achtelfinale B-Pokal

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Ulrike Krieger