„Alte Herren“ – Das Gesetz der Serie

Es gibt viele Gesetze. Von Menschen gemachte und die Ewigen der Natur. Zum Beispiel das Gesetz der Serie. Ein Phänomen, das Betroffenen Rätsel aufgibt. Das Gesetz der Serie ist eine Lehre von den Wiederholungen im Lebens-,Welt- und manchmal eben auch im Sportgeschehen. Es basiert auf dem kausalitäts-unabhängigen Prinzip der Serialität. 1919 schrieb der Wiener Biologe Paul Kammerer (wer kennt ihn nicht) aufgrund eigener Beobachtungen unerklärlicher Übereinstimmungen der Wiederholungen sein Buch (wer kennt es nicht), überwiegend resultierend aus Zahlen, was ich nun wieder auf die Abfolge und Richtigkeit der Numerologie zurückführe. Also beispielsweise die serienweise auftretende Abfolge der Erfolge der Alten Herren. Alles nur Zufall? Wohl nicht, sondern vielmehr das Ergebnis erfolgshungriger, trainingsbegeisterter, junggebliebener mitendüber-30iger mit einem strategisch ausgereiften und erfahrenem Trainer und Betreuergespann.

Wenn man sich eingehend mit der Numerologie der Alten Herren beschäftigt, kann man auffällige Wiederholungen und ein kurioses Muster feststellen. Die Ü32 gewinnt sieben Jahre hintereinander die Berliner Meisterschaft, die 4. Männer gewinnen zum zweiten Mal hintereinander ihre Liga verlustpunktfrei und die Ü40 erreichen zum dritten Mal die Qualifikation zur ostdeutschen Meisterschaft. Hiermit wäre ja nun eindrucksvoll bewiesen, dass das Gesetz der Serie tatsächlich auf quasi gespenstische Art und Weise existiert. Und während ich das alles schreibe, höre ich „Die immer lacht“. Also auch hier, IMMER. Eine Serialität, möglicherweise sogar eine unendliche. Und ich muss gestehen, mir fängt das Lied an zu gefallen.

Dröseln wir die Einzelheiten mal auf und beginnen bei denen, die die Saison bereits im März beendet hatten. Wer die Halbzeitbilanz gelesen hat weiß, dass es mit Ajax eine, ja eigentlich die einzige, ernst zu nehmende Konkurrenz auf den „Titel“ gab. Wir hatten im Hinspiel gepatzt und mussten nun das Rückspiel mit mehr als 4 Toren gewinnen. Naja, dem Gesetz der Serie folgend sollte das ja kein Problem sein. Ich glaube nur Harry hatte da Bedenken. Merkwürdig, seine Schüler bleiben doch serienweise sitzen, er sollte also mit der Serialität vertraut sein. Wie auch immer. Wir haben das Spiel mit 7 Toren gewonnen und die Fahrkarte zur 11. Ostdeutschen Meisterschaft gelöst. Wer also Lust hat, kann uns am 18.6. in der Sporthalle Fabrikenstrasse 9 in Premnitz anfeuern. Gewinnen müssen wir den Pott nicht, wäre keine Serie. Beginn ist um 9:30.

Steigen wir die Altersleiter eine Stufe runter zu den Ü32 und zur gar magischen Zahl 7. Wer kennt sie nicht diese Mythen, die sich um die Zahl 7 ranken. Zum Beispiel das verflixte siebente Jahr in der Ehe, der 7-Jahres Rhythmus im Leben einer Frau oder die schwammig bewiesene Tatsache, dass sich alle 7 Jahre der Stoffwechsel ändert. Vom Film „Sieben Jahre Pech“ mit Hans Moser mal ganz zu schweigen. Also wir toppen all das mit dem Sieg der 7. Berliner Meisterschaft in Folge. Und diesmal war es so spannend wie lange nicht mehr. In der Rückserie hatten wir gepatzt und das gleich zwei Mal. Gegen TMBW mit 21:22 und zwei Wochen später gegen Spandau mit 23:27. Die Füchse hatten zu diesem Zeitpunkt ebenfalls 4 Minuspunkte und so kam es zum alles entscheidenden „Endspiel“ in heimischer Halle. Zu diesem Spiel gibt es neben der Tatsache, dass wir 26:21 gewonnen hatten zwei Dinge zu sagen. Erstens, die Halle war sensationell gut gefüllt und unsere Fans haben uns ebenso sensationell angefeuert, wofür wir uns herzlichst bedanken möchten. Und zweitens, ein paar ernstere Worte direkt zum Spiel, die freundlicherweise von Ben geschrieben wurden:

Stellte man mit Mitte 40 (bei wenigen bereits etwas früher) fest, dass es tatsächlich jüngere und schnellere in seltenen Ausnahmefällen sogar inzwischen bessere Spieler gibt, so hat Mann in der Ü-32 Liga die Möglichkeit weiter dem Hobby zu frönen was uns seit Jahrzehnten begleitet. Den Zuschauern wird ebenfalls die Möglichkeit geboten die inzwischen in die Jahre gekommenen Helden von früher zu bewundern. Vielleicht nicht mehr so frenetisch, aber alles lässt ja mit der Zeit etwas nach. Also eine absolute Win-Win Situation, eine schöne Erfindung so eine Champions-League.

Hinzu kommt, dass die meisten mit Ihrer Familienplanung weit fortgeschritten sind. Heißt, dass Kind und Kegel, die eigenen Ehefrauen und im besten oder vielmehr in diesem Fall auch die eigene Mutter an einem sonnigen Tag in der Halle sind, um dem Papa als Familienevent bei seinem liebsten Hobby zuschauen. Zumal es ja um etwas geht. Spaß! aber eben auch noch ein wenig Wettkampf.

Der letztere kann für folgendes in keinster Weise eine Entschuldigung darstellen:  

Was veranlasst einen über 40 jährigen also in der Summe höchstwahrscheinlich erwachsenen Mann einem Gegenspieler in einer nicht mehr ergebnisrelevanten Spielsituation derart brutal ins Gesicht zu schlagen, dass die tief und weit aufgeplatzte Lippe wenig später im Krankenhaus genäht werden muss? Eine Gesichtsverletzung, die einen ungewissen Ausgang nach sich ziehen könnte. Ein Schlag, bei dem in der Region des Körpers es zu fatalen Folgen kommen kann?

Was veranlasst einen anderen über 40 Jahre alten Spieler, sich auf einen neben sich liegenden „Sportkameraden“ gezielt fallen zu lassen, in der Hoffnung den Beinen des selbigen den Rest zu geben?

Namen braucht diese Schilderung nicht. Denn ganz Handballberlin kennt diese Namen. Da helfen auch Entschuldigungen und das Beteuern des Fremdschämens der eigenen Mannschaft nicht mehr. Wohl wissend in diesen Reihen gibt es genug, die sich über diese rücksichtslose Gangart freuen. Schließlich kann man mit den Jungs so richtig aufräumen.

Es gibt genug andere Sportarten, die hierfür besser geeignet wären. Handball im Ü-32 Bereich kann nicht dazu zählen.

Stellt Euch vor es sind Eure Kinder, die zusehen müssen wie Ihr Papa derart verletzt ins Krankenhaus fahren muss. Stellt es Euch vor wie sich Eure Kinder fühlen, beim täglichen Anblick solch einer Verletzung!

Bleibt noch die 4. Männer. Die Bezirksliga wurde mit 44:0 Punkten als Aufsteiger beendet. 241 Plustore. Und jetzt kommts. Wenn man 241 Tore durch die 44 Pluspunkte teilt, dann ist das Ergebnis mit 5,477272727272727272727272, na was? Richtig, eine Serie … zumindest ab der dritten Stelle nach dem Komma. Okay, vielleicht ein bisschen weit hergeholt. Das auch nur für alle, die zwei Ereignisse (Aufsteiger Kreisliga und Bezirksliga verlustpunktfrei) noch nicht als Serie verstehen, ich aber gerne alle drei Mannschaften in das Serienphänomen der Alten Herren sehen möchte. Und für alle, die sich an Zahlen gewöhnen und diese am Liebsten nicht mehr wechseln wollen, kommt hier eine schlechte Nachricht. Die 4. Männer wird ab der nächsten Saison die 3. Männer sein. Wie das zustande kommt, sei ausschließlich im persönlichen Gespräch verraten.

 

Wenn es am schönsten ist, soll man ja bekanntlich aufhören. Für mich war das bereits nach dem zweiten Absatz soweit. In einer halben Stunde muss meine Hose kalt überm Stuhl hängen, deshalb verabschiede ich mich nun, natürlich nicht ohne den Hinweis, dass sich die Herren besten Alters ganz herzlich bei allen helfenden Händen und natürlich bei unseren Fans bedanken. Insbesondere seien an dieser Stelle mal die treuen Tasmanischen Teufel erwähnt, die wir, so glaube ich, im Laufe der Saison durchaus für den Handballsport ein klein wenig begeistern konnten. Wir möchten uns auch und insbesondere dafür danken, dass wir die Meisterschaftsfeier in sehr gemütlicher Atmosphäre in euren „heiligen Hallen“ feiern durften. Möglicherweise startet auch hier eine Serie.

In diesem Sinne verabschieden sich die „Alten“ und wünschen allen einen schönen und erholsamen Sommer oder eine spannende ODM in Premnitz.

Axel