Handballfahrt der männlichen D2-Jugend nach Schweden

Vom 19.-25.Oktober 2015 fuhren 14 Jungen der D2-Mannschaft des TSV-Rudow nach Kristianstad.

Alleine die Anfahrt mit unseren beiden Minibussen war ein Erlebnis. Wir fuhren mit der Fähre nach Dänemark und weiter durch Dänemark nach Schweden über die Öresundbrücke.

Schon am ersten Tag lud die gleichaltrige Mannschaft vom IFK Kristianstad zum gemeinsamen Training ein. Die Übernachtung erfolgte im Vereinshaus eines Sportplatzes auf den mitgebrachten Luftmatratzen und Schlafsäcken mit Kühen als nächste Nachbarn auf der Weide.

Unter der Woche konnten wir dreimal mit der schwedischen Jungenmannschaft trainieren und zweimal alleine in der Kristianstad Arena, wo sonst die schwedischen und europäischen Spitzenmannschaften der Herren spielen.

Wir begnügten uns aber nicht nur mit Handballspielen, sondern wollten auch Land und Leute kennenlernen. Das konnten wir ausgiebig beim Besuch eines Bauernhofes, bei dem wir mit den Milchkühen auf Tuchfühlung gehen konnten und bei der Kartoffelernte, wo wir auf der Kartoffelerntemaschine mit dabei sein durften. Wir bekamen eine Einweisung in das Golfspiel auf dem Degeberga-Widtsköfle Golfplatz und konnten auch gleich auf der kleinen Bahn das Erlernte ausprobieren. Außerdem besuchten wir eine Möhrenfabrik, die ganzjährig Mohrrüben verarbeitet und für viele kleinere aber auch große Lebensmittelketten in ganz Schweden die Möhren verpackt ins Regal liefert. Wir konnten aber auch auf dem Kjugekull, nahe bei Kristianstad die schöne Natur mit den eiszeitlich geformten Steinen bewundern, die auch ausgiebig beklettern wurden. Ein kurzer Besuch der Stadt selbst mit einer Visite im Naturum Kristianstad und ein Besuch im Schwimmbad durften nicht fehlen. Ebenso war ein Spaziergang an der Ostsee obligatorisch. Wir befanden uns an der Aalküste und hatten auch mal die Gelegen heit in einer Fischräucherei richtige lebende Aale zu sehen und anzufassen.

Ein Höhepunkt war der Besuch des am 22.10.2015 in der Kristianstad Arena stattfindenden Champions League Spiels der Männer des IFK Kristianstad gegen die deutsche Bundesligamannschaft der Rhein-Neckar-Löwen. Die Halle war voll und in Orange getaucht, der Farbe des IFK. Die Stimmung war supertoll, alle fieberten dort für den IFK Kristianstad, der durch ein schnelles Spiel gleich zum Anfang den Ton angab und am Ende verdient gewonnen hatte. Es war ein Lehrstück dafür, dass man den Gegner eben nie unterschätzen darf und von Anfang an alles geben sollte. Die Jungen konnten im Anschluss von allen Spielern beider Mannschaften Autogramme holen. Außerdem erhielten unsere Jungen vom Verein IFK T-Shirts mit dem Aufdruck: „IFK Kristianstad – svenska Mästare 2015 – Sveriges häftigaste handbollsclubb“ (IFK Kristianstad – schwedischer Handballmeister 2015, schwedenst heftigster Handballclub) Das war ein unvergesslicher Abend. Am nächsten Tag durften die Kinder genau in dieser Arena trainieren, in der noch am Abend zuvor die Stars des Handballs gespielt haben. Diesmal trainierten Jungen aus der schwedischen Mannschaft mit uns.

Aber nicht nur das Training für die Jungs war wichtig, sondern natürlich auch der Erfahrungsaustausch auf der Trainerebene. Es gibt viele unterschiedliche Trainingsmethoden und in Kristianstad ganz klar bessere Trainingsbedingungen. Die Mannschaften werden nicht nach Leistung eingeteilt, vielmehr liegt bis ca. zum 14. Lebensjahr der Spaß am Sport und am Handballspiel im Vordergrund. Es werden gemischte Mannschaften gebildet, so dass am Ende alle auf annährend gleichem Niveau spielen. Die schwedische Jugendmannschaft hat acht Trainer und kann dreimal in der Woche trainieren. Dem IFK Kristianstad stehen unterschiedliche Spezialisten (wie Fachärzte und Therapeuten) beratend zur Verfügung, die Empfehlungen für ein gesundes Training geben können. Handball hat in Schweden grundsätzlich einen höheren Stellenwert als in Deutschland.

Am Sonnabend fand in der Liviushalle in Kristianstad unser Freundschaftsturnier mit den gleichaltrigen Jungen vom IFK Kristianstad statt. Bei den Spielen wurde deutlich, dass wir noch viel mehr trainieren und lernen müssen. Aber das ist auch kein Wunder, da die Jungen des IFK dreimal in der Woche trainiert und acht Trainer zur Verfügung stehen. Ob besser oder schlechter, gewonnen oder verloren hatte an dem Tag keine Bedeutung, weil es einfach zusammen Spaß machte, die Leute supernett zu uns waren und alle mit Essen und Trinken versorgt wurden. Später wurden die Kinder in deutsch-schwedische Mannschaften gemischt und spielten so mit- und gegeneinander. Bei unseren Handballjungen wurden sogar neue Talente entdeckt, die vorher schlicht noch nicht dagewesen waren. Die schwedischen Jungs waren richtige Teamplayer. Alle freuten sich, miteinander zu spielen. Die Sprachbarriere war in den Hintergrund gerückt, die Verständigung erfolgte über das Herz und natürlich soweit es ging in Deutsch, Englisch und Schwedisch. Die Eltern und Kinder des IFK hatten immer wieder gesagt, dass es für sie eine große Freude und etwas Besonderes war, dass wir diese Woche mittrainiert und mitgespielt haben. Der Wunsch, sich wieder einmal gemeinsam beim Handball zu treffen wurde ausgesprochen und gemeinsam festgehalten. Erste T-Shirts, Telefonnummern und Adressen wurden gewechselt und das ist genau das Ziel, welches wir auch erreichen wollten: dass Handball Spaß macht und Menschen unterschiedlicher Nationalität verbindet. Aber irgendwann ist jede schöne Zeit vorbei und mussten wir uns verabschieden, was von allen als schmerzhaft empfunden wurde.

Die männliche D2 des TSV Rudow hat in diesen Tagen viel erlebt und gelernt. Diese gemeinsamen Erfahrungen und Erlebnisse haben unsere Mannschaft zusammengeschweißt. Wir haben Lust auf mehr Handball und natürlich würden sich alle gerne wieder mit der schwedischen Handballjugend treffen wollen.

Ohne die Unterstützung von Sponsoren und Helfern wäre diese Trainingsreise nicht möglich gewesen. An dieser Stelle bedanken wir uns ausdrücklich bei der BBBank für die großzügige Spende, die für die Mietautos verwendet wurde, bei der Autovermietung Enterprise, die uns ein gutes Angebot machen konnte, bei der Möhrrübenfabrik Lyckås Gård Lantbruks AB in Fjälkinge, bei den schwedischen Landwirten Håkan och Cecilia von Nygård, Degeberga-Widtsköfle Golfklubb sowie bei dem IF Vittskövle für die Möglichkeit der Unterkunft. Und nicht zu vergessen geht der Dank an die helfenden Hände der Eltern Janine, Andreas, Sonja, Oma Christa, Gerd und Verena und natürlich an unseren Trainer André. Ein ganz besonderer Dank geht hier auch an die Trainer des IFK Kristianstad, allen voran Magnus, der im Vorfeld für uns die Hallen und die Eintrittskarten für das Champions League Spiel organsiert hat und dem gesamten IFK Kristianstad für die T-Shirts und die Trinkflaschen.

Müde und überglücklich durch die vielen Erlebnisse sind wir Rudower alle wieder gesund in Berlin angekommen. Es gibt uns allen eine besondere Motivation weiterzumachen – natürlich mit Handball. Auch wenn wir noch viel trainieren müssen, um mal ganz große Handballer zu werden, eins kann uns schon jetzt keiner nehmen: wir sind schon heute ein Team und haben schwedische Freundschaften geschlossen.